#10 – Home Office

Thomas Pisar – satirisch – über Führen und Geführtwerden. Folge 10.

Schwenk ist wütend. 2015 wollte er als Manager mit Vision alle seine Mitarbeiter ins Home Office schicken. Schwenk war fest davon überzeugt, dass das der richtige Schritt im Sinne der Mitarbeiterzufriedenheit war. Ein ganzes Jahr hatte er mit der Geschäftsführung diskutiert. Ein ganzes weiteres Jahr mit der Personalvertretung gestritten. Ein ganzes weiteres Jahr über dem Konzept gebrütet. 2019 war es so weit. Schwenk hatte eine Vision. Der Rollout Richtung Home Office begann. Ende 2019 war die Rolloutrate bei 37,4 Prozent und das Projekt hatte kaum noch Fortschritt gemacht. Es stockte. Es ging nicht weiter. Das Projekt war tot, mausetot. Es war Dezember 2019.

Schwenk ist wütend. Jetzt ist März 2020 und diese blöde Coronakrise kommt ums Eck. Alle Mitarbeiter gehen innerhalb eines Tages ins Home Office. Alle seine Mitarbeiter. Alle des Konzerns. Hätte diese verdammte Coronakrise nicht ein halbes Jahr vorher kommen können?

Learnings

  • Jede Sache hat ihre Zeit. Die beste Initiative zum falschen Zeitpunkt führt im schlimmsten Fall dazu, dass diese für längere Zeit begraben ist. Die Rahmenbedingungen sind viel entscheidender als der Inhalt selbst.
  • 2015 hat Schwenk kein (starkes) Problem, das er artikulieren kann, das mit Home Office gelöst wird. Es ist allein sein Wille. 
  • 2020 ist jeder Mitarbeiter direkt von Corona betroffen und macht sich berechtigterweise über die eigene Gesundheit Sorgen. Mehr Betroffenheit kann man fast nicht erzeugen. Da ist die Veränderungsbereitschaft kein Problem mehr.
  • Ohne Problem keine Veränderung. 
  • Wenn Veränderungsprozesse zu lange dauern, verlieren sie zusätzlich an Geschwindigkeit. Wer will schon ganz, ganz langsam durch einen Schmerz gehen?
  • Wir können die großen Einflüsse unserer Zeit nicht steuern (Corona, Weltwirtschaft, AI u.v.m.). Wir können nur darauf reagieren. Jene Organisationen, die sich diesbezüglich am besten aufstellen, werden einen Wettbewerbsvorteil haben.

Waren Sie schon mal in einem Change-Prozess gefangen, wo es kein Problem gegeben hat oder nur eines, das Sie nicht persönlich betroffen hat?
Haben Sie schon einmal probiert eine Veränderung zu einem Ziel herbeizuführen, weil Ihnen persönlich das Ziel, die Lösung, so gut gefallen hat, aber Sie kein wirkliches Problem damit gelöst haben?
Wie ist es Ihnen dabei ergangen?

Hinterlassen Sie uns gerne Ihre Fragen, Gedanken und Anmerkungen dazu in den Kommentaren oder in einem persönlichen Email.

Artikel erschienen am 19.03.2025 in der „Presse„: https://www.diepresse.com/19477855/home-office

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